UNESCO

Welterbe
ist mehr…

18. April 2021

… als der erste Blick vermuten lässt.

Um die Vielfalt und Facetten unserer einzigartigen Welterbestätten für Sie erfahrbar zu machen, begehen wir am 18. April 2021 den Österreichischen Welterbetag.

UNESCO Welterbe Logo Welterbetag

Am 18. April 2021 begehen die zehn Österreichischen Welterbestätten erstmals den „Österreichischen Welterbetag“. Als gemeinsamer Aktionstag soll er dazu beitragen, auf das UNESCO-Welterbe in Österreich aufmerksam zu machen und Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es steter Bemühungen bedarf, diese einzigartigen Kultur- und Naturschätze vor Verfall oder Zerstörung zu bewahren. Die zehn Österreichischen Welterbestätten möchten im Rahmen dieses Tages das Welterbe in Österreich erlebbar und erfahrbar machen. Spezielle Veranstaltungen und Aktionen -vor Ort und online – ermöglichen ungewohnte Blicke auf Altbekanntes, eröffnen neue Perspektiven oder vermitteln einen Eindruck von der Arbeit und den Bemühungen zum Schutz und Erhalt dieser einzigartigen Orte.


Seit 1983 wird der 18. April, auf Initiative des Internationalen Denkmalrates ICOMOS, von der UNESCO als „International Day of Monuments and Sites” bzw. “World Heritage Day”  begangen. In Anlehnung an diesen internationalen Tag hat die Österreichische Welterbestätten-Konferenz 2020 beschlossen, auch in Österreich einen solchen Aktionstag, den Welterbetag, zu etablieren.

Die UNESCO ist ein wichtiges Mitglied der – aus 15 Sonderorganisationen bestehenden – „UN-Familie“. Ihr Ziel: mit den Mitteln von Kultur, Bildung und Wissenschaft den Frieden zu erhalten, zu schaffen und zu sichern. Dazu bekennen sich insgesamt 193 Mitgliedstaaten und 11 assoziierte Mitglieder. Das Hauptquartier der UNESCO befindet sich in Paris. Die UNESCO wurde – kurz nach den Vereinten Nationen – im November 1945 gegründet. Den Anlass und Hintergrund bildeten die Katastrophen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: zwei Weltkriege mit Millionen Toten, die Verfolgung und Vernichtung von ethnischen, religiösen und anderen Minderheiten, totalitäre Systeme, Massenvernichtungswaffen: Weil Hass und Vorurteile in den Köpfen entstehen, müssten sie auch dort verhindert werden.

Mit zahlreichen Programmen und Projekten versucht die UNESCO Antworten auf Probleme zu finden und diesen mit Wissen, Austausch und Zusammenarbeit zu begegnen. Die Einhaltung der Menschenrechte, die Gleichheit der Geschlechter, der nachhaltige Umgang mit der Natur sind dabei wesentliche Leitlinien.

In Österreich stellt die Österreichische UNESCO-Kommission die Präsenz der UNESCO sicher und fungiert als Kontakt- und Beratungsstelle für Angelegenheiten der UNESCO in Österreich.

1972 wurde von den Mitgliedstaaten der UNESCO das „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ (kurz „Welterbekonvention) ins Leben gerufen, um Kultur- und Naturstätten, die für die gesamte Welt von Bedeutung sind, zu schützen.

 

Damit ein Bauwerk, ein Ensemble von Gebäuden, ein Naturdenkmal oder eine Landschaft als Welterbe gelten, muss eine zentrale Bedingung erfüllt sein: Das Kultur- oder Naturgebilde muss „außergewöhnlichen universellen Wert“ besitzen. Das heißt: Es muss aus der Fülle vergleichbarer Objekte deutlich herausragen. Und: Sein Verfall oder die mutwillige Zerstörung wären ein unwiederbringlicher Verlust für die Menschheit. Externe Fachberater aus Kultur- und Naturschutzorganisationen prüfen die Anträge und empfehlen dem Welterbekomitee die Aufnahme oder Ablehnung. In dem Verfahren werden Gesichtspunkte wie kulturelle Diversität und Nachhaltigkeit besonders berücksichtigt.

 

Bisher haben 193 Staaten diesen völkerrechtlichen Vertrag unterzeichnet und sich dazu verpflichtet, jene Kultur- und Naturstätten von außergewöhnlichem, universellem Wert für kommende Generationen zu bewahren. Aktuell gibt es 1.221 Welterbestätten in 162 Staaten der Welt. Sie stellen unschätzbare Zeugnisse der Natur- und Menschheitsgeschichte dar.

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und Buchenurwälder

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Zentrum von Wien
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Pfahlbauten um die Alpen

Prähistorische Pfahlbauten
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18. April 2021

Historisches Zentrum
der Stadt Salzburg

Abseits von Festspieltrubel und Mozartkugel erzählt das Welterbe Salzburg vom barocken Glanz der Fürsterzbischöfe, vom Stolz des Bürgertums und von der schlichten Strenge der Klöster.

Art der Stätte: Kulturstätte
Einschreibung: 1996
Kriterien: (ii), (vi), (iv)
Bundesland: Salzburg

Das Programm am Welterbetag

Rundgang mit Führung durch das Franziskanerkloster

Das Areal des Franziskanerklosters stellt einen Hotspot der Salzburger Stadtgeschichte dar. Seine bewegte Baugeschichte ist eng mit der Entwicklung der Stadt verwoben: Vom römischem Iuvavum über das frühe Mittealter mit einer uralten als Dom genutzten Kirche aus der Anfangsphase der Christianisierung bis in das hohe Mittelalter mit dem romanischem Vorgängerbau des Petersfrauenklosters. Im Rahmen der Führung kann das ansonsten unzugängliche Kloster, das momentan unter Wahrung höchster denkmalpflegerischer Standards generalsaniert wird, besichtigt werden.

Franziskanerkloster Salzburg
Franziskanergasse 5a, 5020 Salzburg

10-18 Uhr

Mirabell Garten in Salzburg an einem Herbstmorgen in Österreich, UNESCO
Blick auf die Festung Hohensalzburg vom Mirabellgarten
Hauptstadt des Barock am Nordrand der Alpen
Die Stadt ist Schauplatz einer faszinierenden Bau-Geschichte: Sie beginnt mit einer keltischen Siedlung zwischen den Stadtbergen. Die Römer errichten darauf Iuvavum, eine bedeutende Bezirkshauptstadt der Provinz Noricum. Im Mittelalter – nachdem der Salzbergbau starken Aufschwung genommen hat – floriert auch die Stadt wieder.

Salzburg veränderte sich nur langsam und kleinräumig – bis Fürsterzbischof Wolf Dietrich um 1600 begann, die Stadt in eine Residenz zu verwandeln. Ganze Häuserzeilen mussten repräsentativen Plätzen und Neubauten weichen. Teile der Bürgerstadt blieben davon aber verschont – so wie später die barocke Bischofsstadt insgesamt von Modernisierung. Das Welterbe: ein unvergleichliches Stadtbild und harmonisches Zusammenspiel zwischen Architektur und umgebender Natur.

Nicht nur als seine Geburtsstadt ist Salzburg eng mit dem Namen Mozart verbunden. Im höfisch-aristokratische Milieu begann sich das Genie des jungen Wolfgang Amadeus zu entfalten. Und von hier aus verbreitete sich sein Ruhm in der ganzen Welt.
Die Macht des weißen Goldes
Salz: Ihm verdankt die Stadt nicht nur ihren Namen, sondern auch die Entstehung. Schon in frühgeschichtlicher Zeit wurde in der Gegend das „weiße Gold“ abgebaut. Der ideale Umschlagsplatz dafür lag genau dort, wo die Salzach in das offene Salzburger Becken eintritt.

Bereits seit dem frühen Mittelalter war Salzburg Bischofssitz und ein Zentrum der Christianisierung gewesen. Ab etwa 1350 übernahmen die Erzbischöfe auf ihrem Territorium auch die weltliche Macht. Als „Fürsterzbischöfe“ residierten sie im heutigen Dombezirk und zogen sich nur in Krisenzeiten auf die Burg über der Stadt zurück. In mehreren Phasen hatten sie Hohensalzburg zur Festung erweitern lassen. Die heutigen Ausmaße und ihre imposante Gestalt hat sie etwa um 1500 bekommen.
Die ganze Stadt ist Bühne
Der Reichtum und die Macht der Fürsterzbischöfe waren immens. Nach ihrem Willen entsteht im 17. und 18. Jahrhundert ein grandioses Ensemble aus profanen und sakralen Bauwerken. Der absolutistische Machtanspruch der Kirche und das Prinzip der ungeteilten Herrschaft werden als Gesamtkunstwerk inszeniert.

Dabei setzte man auf Komposition im großen Stil und – Importkunst aus Italien: Von dort kamen Stararchitekten wie Vincenzo Scamozzi und Santino Solari. Auch die Bildhauer und Maler beherrschten und benutzten das klassizistische Vokabular von Renaissance, Manierismus und Barock. Johann Bernhard Fischer von Erlach, der selbst in Rom gelernt hatte, entwarf hier Schlüsselbauten des Hochbarock: Vor der Kulisse der umgebenden Berge wird Salzburg zur prächtig ausgestatteten Bühne.
Salzburg historisches Zentrum mit grünen Blättern und Sonnenschein Österreich
Die Altstadt Salzburgs mit Blick auf die Festung
Mozartmetropole
Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Jänner 1756 in Salzburg geboren. Das Verhältnis zu seiner Geburtsstadt blieb aber immer zwiespältig. Und Salzburg war auch nie das Zentrum seines Lebens. Mozart und Salzburg: Die enge Verbindung zwischen der Stadt und dem Namen des Komponisten – und ihre Vermarktung entwickelten sich erst posthum.

Etwa fünfzig Jahre nach seinem Tod gründeten Bürger einen Verein zur Pflege und Bewahrung seines Werks. Schon bald war von Feiern und Festspielen die Rede. Die Zeit dafür war aber erst reif, als der Dramatiker Hugo von Hofmannsthal und der Theatervisionär Max Reinhardt 1920 die Salzburger Festspiele gründeten und ihre Ideen mit der Verehrung Mozarts verbanden. Mit dem internationalen Erfolg der Festspiele bekam Salzburg auch als Mozartstadt Weltgeltung.

Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten
und anderer Regionen Europas

Beinahe unberührt von menschlichem Einfluss verstecken sich Überreste der letzten Urwälder Europas – und geben einen wertvollen Einblick in die Evolutions- und Naturgeschichte.

Art der Stätte: Naturstätte
Einschreibung: erstmals 2007, Erweiterung 2011 und 2017 (mit Österreich)
Kriterien: (ix)
In 12 Staaten
Bundesländer: Oberösterreich und Niederösterreich

Das Programm am Welterbetag

Anlässlich des Österreichischen Welterbetages 2021 bietet der Nationalpark Kalkalpen kostenlose Ranger Touren und präsentiert zwei neue Kurzfilme zum Weltnaturerbe Buchenwälder.

Geführte Wanderungen durch das Weltnaturerbe

Mitte April sind die Wälder noch lichtdurchflutet, am Waldboden sprießen die Frühlingsblüher um die Wette, die Tier- und Pflanzenwelt erwacht. Ein guter Anlass, wieder einmal mit offenen Augen und Ohren in den Wald zu gehen.
Erwandern Sie mit Rangern des Nationalpark Kalkalpen das einzige Weltnaturerbe Österreichs! Von zwei Standorten ausgehend erkunden wir einen Teil der wertvollen Buchenwälder.

Welterbe Tour: Im Bodinggraben bei Molln
Sa, 17. April 2021, 9:30-13:30 Uhr (Gehzeit ca. 2 ½ Stunden)

Welterbe Tour: Wildnistrail Buchensteig, Reichraming
So, 18. April 2021, 10:00-14 Uhr, (Gehzeit 2-2 ½ Stunden)

 

Film „Welterbe Buchenwälder“

Er erzählt die Geschichte der Buche in Europa und stellt die als UNESCO-Weltnaturerbe ausgezeichneten ältesten Buchenwälder und Buchenurwälder in zwölf europäischen Ländern vor.

Film „Mit Nationalpark Rangern unterwegs im Weltnaturerbe“

Gemeinsam mit Nationalpark Kalkalpen Rangerinnen und Ranger erleben Sie den Zauber und die Vielfalt alter Buchenwälder.

Buchenurwald im Reichraminger Hintergebirge, Nationalpark Kalkalpen, Österreich, UNESCO Weltnaturerbe
Buchenurwald im Nationalpark Kalkalpen © Erich Mayrhofer

Relikte einer Natur ohne Menschen

Bevor die Menschen in Europa sesshaft wurden, waren vier Fünftel davon mit Wald – überwiegend mit Buchenwäldern – bedeckt. Danach schrumpften die Wälder in dem Maß wie die Bevölkerung zunahm und damit der Bedarf an Acker- und Weideflächen. Holz war Brennmaterial und blieb der wichtigste Rohstoff zum Bauen und für die Herstellung von Geräten – von der Steinzeit bis zum Industriezeitalter.

Heute bedeckt der Wald nur noch etwa ein Drittel der Fläche Europas. Der größte Teil davon sind Nutzwälder, die seit Jahrhunderten intensiv bewirtschaftet werden. Von den Buchenurwäldern sind nur mehr Reste übrig. Gemeinsam mit alten, naturnahen Beständen bilden diese „Enklaven“ ein Weltnaturerbe in zwölf Staaten.

In Österreich gehören dazu die alten Buchwälder im Nationalpark Kalkalpen und der Buchenurwald im Wildnisgebiet Dürrenstein. Hier erforschen verschiedene wissenschaftliche Disziplinen die Entwicklung von Tier- und Pflanzenarten und die Zusammenhänge von Klima und Umwelt.

Rotbuche, die (lat.: Fagus sylvatica)

Die Baumart kommt nur in Europa vor und ist vom Atlantik bis Ostmitteleuropa (Bukowina heißt so viel wie „Buchenland“), von Südschweden bis zum Balkan und im Apennin stark verbreitet.

Die Erfolgsgeschichte beginnt in der mittleren Wärmezeit, etwa im fünften Jahrtausend vor unserer Zeit. Während der Eiszeit hatten sich alle Baumarten an den Südrand Europas zurückgezogen. Nach dem Rückgang der Gletscher kehrten sie in die Kaltsteppen zurück. Die Buche ist schon lange im Süden Schwedens heimisch und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie – Stichwort Klimawandel – sich noch weiter nordwärts ausbreitet.

In tieferen Lagen setzte sich die Buche nach und nach gegen alle Konkurrenten durch. Als Schattenbaum konnte sie stärker lichtabhängige Baumarten leicht verdrängen. Im Bergwald mischen sich Tannen darunter und auf höheren und kühleren Schatthängen steigt auch der Anteil an Fichten.

Im Herzen der Wildnis

Der Rothwald gehört zum Wildnisgebiet Dürrenstein in den Niederösterreichischen Kalkalpen. In seinem Inneren hat sich ein etwa vier Quadratkilometer großes Stück Urwald erhalten. Dass es vom Kahlschlag verschont geblieben ist, grenzt an ein Wunder: Weil die Klöster Gaming und Admont jahrhundertelang über Besitz- und Nutzungsrechte im Streit lagen, blieb der Wald unberührt.

Nach Zeiten von Verstaatlichung und Privatbesitz erwarb der Bankier Albert Freiherr von Rothschild 1875 den Wald. Dem Philanthropen und Kunstmäzen war auch der Naturschutz ein großes Anliegen. Er ließ lediglich einen – komfortablen – Kutschenweg bis an den Rand anlegen. Nachdem das Waldstück auch noch das 20. Jahrhundert überdauert hat, genießt es nun den höchsten Status im international geregelten Naturschutz: Kategorie Ia.
Buchenmischwald mit Schluchtwaldcharakter
Nationalpark Kalkalpen © Franz Sieghartsleitner

Wild und artenreich

Der Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich beherbergt insgesamt sechs Buchenwaldgesellschaften. Es handelt sich dabei – wo nicht um Reste von Urwäldern – um naturnahe Bestände. Teile davon sind dabei, sich zur Waldwildnis zurück- oder – besser – weiterzuentwickeln.

Mit neuen wissenschaftlichen Methoden lässt sich das Alter der Bäume exakt bestimmen. Einzelne Buchen sind über 500 Jahre alt: das älteste Exemplar existierte bereits, als in Wien noch an der Stephanskirche gebaut wurde.

In den Buchenwäldern herrscht hohe Biodiversität. Der seltene Weißrückenspecht gilt als ein verlässlicher Indikator für eine intakte Umwelt und aktuell leben sechs Luchse in dem Gebiet.

Schloss und Gärten
von Schönbrunn

Wo einst die Habsburger residierten und der Hofstaat flanierte, lassen sich noch heute im Welterbe Schönbrunn Zeugen einer imperialen Vergangenheit entdecken.

Art der Stätte: Kulturstätte
Einschreibung: 1996
Kriterien: (i), (iv)
Bundesland: Wien

Das Programm am Welterbetag

Öffnung der „Kleinen Gloriette“

Dass die weltberühmte Gloriette im Schönbrunner Schlosspark ein zweites, kleineres Pendant hat, ist den wenigsten bekannt. Der vermutlich um 1775 von Isidor Canevale errichtete, etwas versteckte Aussichtspavillion im Rokokostil öffnet anlässlich des Österreichischen Welterbetages seine ansonsten verschlossenen Pforten und ist öffentlich zugänglich.

Geöffnet: 10-16 Uhr

Schloss Schoenbrunn mit Brunnen im Vordergrund
Ehrenhof © Schloss Schoenbrunn
Kultur- und Betriebsges.m.b.H. Alexander Eugen Koller
Imposantes Wahrzeichen einer prägenden Dynastie

Schönbrunn steht ikonisch für Habsburg. Die Kaiser, Könige und Erzherzöge aus der Dynastie verbrachten hier drei Jahrhunderte lang die Sommer mit dem gesamten Hofstaat. Schönbrunn, das war der glanzvolle Mittelpunkt des höfischen Lebens einer der mächtigsten Dynastien Europas.

 

Heute präsentiert sich Schönbrunn in der Form, die es am Ende der Donaumonarchie angenommen hatte. Von den ehemals dreihundertsieben Räumen des Residenzschlosses sind noch immer vierundachtzig im Originalzustand zu bestaunen.



Das Schloss und der Garten bilden ein untrennbares Ganzes. Die einzelnen Teile sind durch ein Netz von Wegen miteinander verbunden und mit Bauwerken, Brunnen und Statuen kunstvoll ausgestattet: Schloss, Orangerie, Gloriette, Menagerie – jedes für sich eine besondere Attraktion, gemeinsam ein großes Gesamtkunstwerk. 1996 wurde Schönbrunn als kunst- und kulturgeschichtlich einmaliges Ensemble zum Weltkulturerbe erklärt.

Bewegte Baugeschichte
Die Geschichte des Ortes reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Die Gegend, in der sich die Schlossanlage heute ausbreitet, war ursprünglich ein Jagdrevier, weit außerhalb der Stadt. Hier befand sich zuerst eine Mühle, dann ein Herrenhaus, später ein Lustschloss, das bei der osmanischen Belagerung Wiens schwer beschädigt wurde. 1693 gab Kaiser Leopold I. den Auftrag zum Bau eines Jagdschlosses.

Die Planung und Errichtung lagen in den Händen des Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach. Einige Jahre nach dem Baubeginn kamen die Arbeiten allerdings ins Stocken, danach sogar gänzlich zum Erliegen. Der Um- und Ausbau zum Residenzschloss begann 1743 unter Maria Theresia. 1780 war die Umgestaltung von Schloss und Garten abgeschlossen.

Die Namen der Räume verraten viel von Erlesenheit, Exotik und Luxus: Gelber Salon, Porzellanzimmer, Spiegelsaal, Vieux-Laque-Zimmer, Chinesische Kabinette. Der barocke Garten diente – als „Verlängerung“ der repräsentativen Innenräume – der Darstellung von Macht. Mehrere Generationen haben bei der prunkvollen Ausstattung ihre Spuren hinterlassen.
Repräsentation und Geschmack
Das barocke Schloss ist der sichtbare Ausdruck der absoluten Macht eines Monarchen, dem sich alle Untertanen zu unterwerfen hatten. Die streng geometrischen Gartenanlagen mit ihren kunstvollen Pflanzenornamenten sprechen die gleiche Sprache und sagen: Nicht nur der Staat, auch die Natur unterliegt dem Willen des souveränen Herrschers.

Die Veränderungen, die Maria Theresia und ihr Gemahl Franz I. vornehmen ließen, sind vielsagend. Die Gestaltung von Schloss und Garten gehorcht nicht mehr ausschließlich dem Prinzip der Repräsentation. Der persönliche Geschmack tritt stärker in den Vordergrund und verrät – indirekt – ein neues Verständnis von Herrschaft. Maria Theresia war es auch, die den Garten 1778 sogar für die Bevölkerung geöffnet hat.
Berglzimmer im Schloss Schoenbrunn Österreich
Berglzimmer © Schloss Schoenbrunn
Kultur- und Betriebsges.m.b.H. Severin Wurnig
Schauplatz der Geschichte
Das Schloss war nicht nur Wohnsitz, sondern auch Schauplatz der täglichen Regierungsgeschäfte, von offiziellen Empfängen, feierlichen Zeremonien und rauschenden Bällen. Hier waren die Mächtigen Europas zu Gast, hier wurde Weltgeschichte geschrieben.

Im Jahr 1809 unterzeichneten Napoleon und Franz I. den Frieden zwischen Frankreich und Österreich. Kaiser Franz Joseph I, hier geboren und verstorben, wohnte und amtierte in seinen letzten Lebensjahren überhaupt ganzjährig in Schönbrunn. Sein Nachfolger Karl I. verzichtete hier am 11. November 1918 auf jede Beteiligung an den Staatsgeschäften in Österreich und Ungarn.   Schönbrunn hat nicht nur den Glanz, sondern auch das Ende der Donaumonarchie gesehen.

Stadt Graz - Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg

Einst Residenz von Kaisern und Fürsten fasziniert das Welterbe Graz mit seinen zwei Zentren – Altstadt und Schloss – im Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Moderne.

Art der Stätte: Kulturerbe
Einschreibung: 1999, Erweiterung um Schloss Eggenberg 2010
Kriterien: (ii), (iv)
Bundesland: Steiermark

Das Programm am Welterbetag

Historisches Zentrum
Präsentation des neuen Welterbe-Folders zur Grazer Altstadt mit Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl

Das UNESCO Welterbe Grazer Altstadt wird in diesem neuen Folder in seiner künstlerischen und architektonischen Bedeutung vorgestellt und lädt ein, das Welterbe zu entdecken.

Schloss Eggenberg
Kostenlose Führungen

Worin besteht eigentlich der „outstanding universal value“ von Schloss Eggenberg und seinen Prunkräumen und wie sieht der Alltag hinter den Fassaden aus?

Mit einem vielfältigen Programm am österreichischen Welterbetag möchten wir unsere Begeisterung für dieses einzigartige Erbe mit Ihnen teilen!

 

Anmeldung
Gratis Zeitkarten für alle Führungen sind am selben Tag ab 9:30 Uhr für alle Programmpunkte am Vormittag und ab 13 Uhr für das Nachmittagsprogramm im Innenhof erhältlich.

Informationen
info-eggenberg@museum-joanneum.at oder +43 316/8017-9560

Welterbe entdecken
Führungen durch die Prunkräume für alle, die Eggenberg kennenlernen möchten
Von 10:15 Uhr bis 16:45 Uhr,  zu jeder Viertelstunde


Themenführungen:

Welterbe (er)leben und erhalten
Was Eggenberg so besonders macht und wie wir es schützen können

Führung um 11 und 13 Uhr


Welterbe Backstage

Einblicke hinter die Kulissen eines Gesamtkunstwerks – vom Keller bis zum Dachboden

Führungen um 10, 14, 15 und 16 Uhr


KulturGut verstehen

Vermittlung und Besucher*innenmanagement in Schloss Eggenberg

Führung um 12 Uhr

 

1000 und eine Pracht
Schloss Eggenberg und seine unzähligen kostbaren Bestandteile 

Interaktive Führung für die ganze Familie um 10 und 14:30 Uhr

 

Der Schlosspark – ein Landschaftsgemälde

Führung um 15 Uhr

Arkadenhof des Landhaus Graz, Österreich UNESCO
Renaissance-Arkadenhof des Grazer Landhauses
Die Stadt Graz und das Schloss Eggenberg bilden – eher ungewöhnlich – eine Welterbestätte mit zwei Kernzonen. Sie ergänzen und verstärken einander ideal.

Was Graz auszeichnet und von anderen Städten unterscheidet: die hochwertigen Beispiele aus der Architekturgeschichte – von der Romanik bis in die Gegenwart. Als Graz fürstliche Residenz war, erhöhte sich die Zahl repräsentativer Bauten, ihre Qualität erreichte spektakuläre Höhepunkte: Arkadenhöfe aus der Renaissance, barocke Stadtpalais und Kirchen, elegante Bürgerhäuser – durch Straßen und Plätze zu einem Ganzen verbunden.

Vor diesem bewegten Hintergrund kommt Schloss Eggenberg deutlich zur Geltung. Die Familie der Eggenberger – durch Handels- und Münzgeschäfte zu Reichtum gekommen – spielte als Politiker, Geldgeber und Diplomaten eine herausragende Rolle. Ende des 16. Jahrhunderts waren sie zum Hochadel aufgestiegen. Ihr Schloss ist Ansage und Aussage: Unmissverständlich verkündet es Anspruch auf Status und entwirft zugleich ein Bild kosmischer Ordnung.
Schloss Eggenberg in Österreich UNESCO
Schloss Eggenberg
Barockes Weltmodell
Ein steirisches Schloss wie ein spanischer Königspalast? Nicht gerade ein Zeichen von Bescheidenheit. Eigentlich nur konsequent, dass im zentralen Planetensaal die Mitglieder der Familie als Götterfiguren auftreten.

Nach außen wirkt der Bau verschlossen und abweisend. Im Inneren hingegen erschließen mehr als 500 Wand- und Deckengemälde die grenzenlosen Räume des Olymp. 365 Fenster, 31 Räume in jedem Stockwerk, 24 Prunkräume in der Beletage, vier Seiten und vier Türme: ein Schloss als kosmologisches Uhrwerk und Architektur gewordenes Universum.

Die Eggenberger sind früh ausgestorben. Ihre Erben interessierten sich nicht für das Schloss und sorgten lediglich für die Erhaltung: Die Schauräume sind bis heute nicht elektrifiziert. Wer möchte, kann hier Barock in Reinkultur erleben, sogar bei Kerzenlicht.

Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut

Vom Salz geprägt und durch die Jahrtausende geformt besticht die Kulturlandschaft des Salzkammergutes rund um Hallstatt mit einzigartiger Geschichte und wilder Naturschönheit.

Art der Stätte:Kulturerbe (Kulturlandschaft)
Einschreibung: 1997
Kriterien: (iii), (iv)
Bundesländer: Oberösterreich, Steiermark

Das Programm am Welterbetag

7000 Jahre Salz – die Erforschung einer einmaligen Landschaft

Virtuelle Entdeckungsreise in den Hallstätter Salzberg (online)

Seit der Steinzeit wird in Hallstatt Salz produziert – bis heute. Diese einmalige 7000-hährige Salzgeschichte war massgeblich für die Erlangung des Kulturerbestatus.

Einzigartige archäologische Funde aus der Tiefe des Salzberges geben Aufschlüsse über Leben und Arbeiten der prähistorische Bergleute und die erste Blütezeit Hallstatts vor über 2500 Jahren.

Archäologinnen und Archäologen Entführen am Welterbetag in ihre Welt und zeigen, wie sie die Geschichte der Salzproduktion von den ersten Anfängen vor 7000 Jahren bis heute erforschen, mit welchen Techniken sie Arbeiten und wie interdisziplinäre Forschung immer Mehr Einblicke in die faszinierende Geschichte des Salzes ermöglicht.

Das Naturhistorische Museum Wien und die Salzwelten Hallstatt haben sich die Vermittlung des Welterbes zur Aufgabe gemacht und Laden zum Eintauchen in das vielfältige Programm ein.

Blick auf See im Salzkammergut
Gebirgspanorama um den Hallstättersee
Zähmung einer Landschaft im Zeichen des Salzes
In Hallstatt wird seit dreieinhalb Jahrtausenden Salz abgebaut – bis zum heutigen Tag. Die Funde aus der älteren Eisenzeit, etwa 800 bis 500 vor unserer Zeit, sind so prominent und zahlreich, dass sich die Wissenschaft als Bezeichnung dafür auf „Hallstattzeit“ geeinigt hat.

In historischer Zeit, ab dem Mittelalter, wurde der Bergbau am Salzberg wieder aufgenommen. Der Bodenschatz aus dem fürstlichen „Kammergut“ bildete für die Habsburger jahrhundertelang eine sichere Einnahmequelle.

Das Welterbe umfasst das innere Salzkammergut und das Massiv des Dachsteins. Das gesamte Gebiet ist etwa 300 Quadratkilometer groß. Die Welterbegemeinden Hallstatt, Obertraun und Gosau werden mit ihren Seen vom Dachsteinmassiv umschlossen. Das Hochgebirge weist besondere landschaftliche Schönheit und eine „an das Unbegrenzte reichende Mannigfaltigkeit“ (Friedrich Simony) auf. Es ist kein Zufall, dass hier Naturbeschreibung, Landschaftsmalerei, Geografie und Tourismus in Österreich einen ihrer Ursprünge haben.
Entdeckung einer Epoche
Schon im Mittelalter waren Bergleute bei ihrer Arbeit auf vorgeschichtliche Objekte gestoßen. Die eigentliche Zeit der großen Entdeckungen begann aber erst, als im Laufe des 19. Jahrhunderts ganze Gräberfelder freigelegt wurden. Neben menschlichen Skeletten kamen zahllose Grabbeigaben: Gefäße, Helme, Schmuck, Werkzeuge, Waffen ans Tageslicht.

Inzwischen haben Generationen von Archäolog*innen das Bild einer komplexen Lebens- und Gesellschaftsform gezeichnet. Der Hallstätter Salzberg war buchstäblich ein Wirtschaftsstandort: Neben dem Bergbau betrieben die Bergbewohner auch Viehzucht und verarbeiteten das Fleisch direkt vor Ort – hauptsächlich für den „Export“. Wie die Herstellung organisiert war und die Produkte über hunderte Kilometer vertrieben wurden, darüber kann auch die Wissenschaft nur Vermutungen anstellen.
Erfindung aus Not
In der Hallstattzeit und noch unter den Römern wurde „trocken“ abgebaut. Das Salz wurde – ursprünglich in Schächten, später in enormen Abbauhallen – rein aus dem Felsen gebrochen und ans Tageslicht befördert.

Im Mittelalter ging man dazu über, das Salz in künstlich angelegten Hohlräumen mit Unmengen von Wasser aus dem Gestein zu „laugen“. Die Sole wurde ins Tal geleitet und in Pfannen so lange erhitzt, bis nur mehr das reine Salz übrig blieb. Die Feuer gingen erst aus, als sämtliche Wälder in der Umgebung kahlgeschlagen waren. Statt das Brennmaterial herbeizuschaffen, entschloss man sich, die Sole talauswärts zu leiten und dort zu verarbeiten. Der Bau einer 40 km langen Leitung war allerdings keine Kleinigkeit und gilt – mit dem Mitteln des 17. Jahrhunderts – zu Recht als Meisterleistung.
Historische Stiege im Salzkammergut bei Ausgrabungen
Europas älteste Holzstiege (1344 v. Chr) im
Hallstätter Salzbergwerk © A. Rausch/NHM Wien
Eroberung der Landschaft
Auch in der Wissenschaft hat das Salzkammergut mit dem Dachstein hohen Stellenwert. Der enzyklopädisch gebildete Geologe, Alpinist, Höhlenforscher, Schriftsteller, Zeichner und Fotograf Friedrich Simony (1813–1896) begründete an der Universität Wien das Institut für Erdkunde. Er hat den Dachstein nicht nur erforscht, sondern ihn auch erstmals im Winter allein bestiegen.

Bevor Hallstatt zum Anziehungspunkt für Künstler, Sommerfrischler und Massentouristen wurde, mussten erst die Reize der „wilden“ Landschaft entdeckt, beschrieben, gemalt und sonst wie verbreitet werden. Je unwirtlicher die Städte wurden, desto stärker bekamen die Bewohner Sehnsucht nach unberührter Natur. Dafür waren Orte wie Hallstatt und das ganze Salzkammergut wie geschaffen.

Wachau

Wo die Donau an mächtigen Klöstern, romantischen Ruinen und mittelalterlichen Orten vorbeizieht, formen blühende Obstwiesen und Weinterrassen eine einzigartige Kulturlandschaft mit jahrhundertealter Geschichte.

Art der Stätte: Kulturerbe (Kulturlandschaft)
Einschreibung: 2000
Kriterien: ii, iv
Bundesland: Niederösterreich

Das Programm am Welterbetag

Wanderung zum neuen Aussichtsturm am Seekopf

Im Frühling präsentiert sich die Wachau von seiner prachtvollsten Seite. Eine gemeinsame Wanderung führt zum neuerrichteten Aussichtsturm am Seekopf, der einen einzigartigen Blick über die Kulturlandschaft bietet. Eine kleine Pause steht ganz im Zeichen eines wesentlichen Wachauer Kulturgutes: dem Wein.

Gemeinsame Geführte Rundwanderung von Rossatz zum Seekopf. Pause und Jause am See.

10:30 Uhr Abmarsch am Mettenerplatz in Rossatz
ca. 11:45 Pause am See / Jause mit Weinverkostung
ca. 12.15-12:30 Aussichtsturm Seekopf
ca. 14:30 Ankunft am Mettenerplatz

 

ca. 3stündige Wanderung für geübte, festes Schuhwerk und Wetterfeste Wanderkleidung. Findet nur bei Schönwetter statt.

Stift Melk in Österreich
Stift Melk
Malerische Verbundenheit von Landschaft und Kultur
Was diesen „Donauraum“ einzigartig macht: Natur und Geschichte verschmelzen hier zu einer harmonischen Kulturlandschaft. Im Laufe von Jahrmillionen hat sich die Donau in das Urgestein der Böhmischen Masse eingeschnitten. Funde aus der Steinzeit bestätigen, dass der Naturraum schon sehr früh besiedelt war. In der Römerzeit verlief hier die Grenze des Imperiums.

Im Mittelalter verwandelte sich die Wachau zur Kulturlandschaft: An den Hängen ließen Klöster für den Weinbau Terrassen anlegen und mit Steinmauern befestigen. Entlang der Donau entstanden Siedlungen mit Höfen, Bürgerhäusern und Kirchen. In der Barockzeit konkurrierten die Stifte Melk und Göttweig – was Pracht und Größe anbelangt – sogar mit dem Kaiserhaus.

Ab etwa 1800 entdeckten Reisende schließlich die Schönheit der Wachau. Mit ihren Bildern und Beschreibungen erfanden Maler und Schriftsteller die „Donauromantik“. Auf die Künstler folgten dann die Sommerfrischler aus Wien und später Touristen aus aller Welt. Seit dem Jahr 2000 gehört die Kulturlandschaft zum Erbe der Menschheit.
Natur in Echtzeit
Als Naturlandschaft erzählt die Wachau, wie sie zu dem geworden ist, was sie ist. Man wird Zeuge einer – sich laufend ereignenden – Naturgeschichte. Die Donau hat die Landschaft geschaffen und verändert sie weiter. Und sie beherrscht den Raum so stark, dass man sie beinahe übersieht.

Die feuchten und kühleren Luftmassen aus den höher gelegenen Plateaus vermischen sich mit den wärmeren aus dem Tal. Das Mikroklima schafft – zusammen mit den Böden – die günstigen Voraussetzungen für den traditionell betriebenen Weinbau.

Neben den landwirtschaftlich genutzten Flächen gibt es Auwälder und steil abfallende Hänge, die von Seitentälern („Gräben“) gegliedert werden. Hier hat sich eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt bis heute in ihrer Vielfalt erhalten.
Idyllischer Weingarten
Den Beginn machen die Grenzanlagen des Römischen Reiches. Um die Befestigungen entstehen erste zivile Siedlungen. Die Donau bekommt ihre Bedeutung als Wasserstraße, die sie bis heute behalten und noch vergrößert hat.

Eine Kulturpflanze prägt die Kulturgeschichte: Vitis vinifera (dt.: die Weinrebe), eingeführt von den Römern. Ab dem Frühmittelalter war die Wachau der Weingarten zahlreicher Klöster und Abteien im heutigen Bayern, Salzburg, Ober- und Niederösterreich. Die meisten der fünfzehn Welterbegemeinden verdanken ihren Ursprung dem Anbau und Handel mit Wein.

Als Wein- und Obstbauern gingen die Wachauer mit dem Boden sehr sorgsam um. Die Häuser drängen sich in der Mitte der Siedlungen und diese grenzen sich nach außen deutlich ab. Die Ortsbilder dominieren wiederum Klöster, Kirchen, Ruinen und Burgen. Mit der Donau als Band und vor der Landschaftskulisse entstehen so die – für die Wachau typischen – „malerischen“ Ansichten.
Aggstein an der Donau im Sonnenuntergang in Österreich
Burgruine Aggstein mit Blick auf die Donau
Schonender Umgang
Die Wachau ist Beispiel und Beweis, dass sich ästhetischer Genuss und praktische Nutzung nicht ausschließen, sondern – im Gegenteil – begünstigen und verstärken: Die traditionelle Vorstellung des „Malerischen“ entstand ja gerade dort, wo sich Natur und Kultur durchdringen.

Sehr früh hat man hier aber erkannt, dass Nutzung auch einen Preis hat: Bürgerproteste verhinderten in den 1970er Jahren den Bau eines geplanten Donaukraftwerkes – noch bevor Natur- und Umweltschutz zu allgemeinen Anliegen wurden. Heute verbindet man die komplexen Anforderungen von Schifffahrt, Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Tourismus schonend mit den Werten einer einzigartigen Kulturlandschaft.

Fertő/Neusiedler See

Seit Jahrtausenden Schnittpunkt von Kulturen bildet die weitläufige Landschaft um Europas westlichster Steppensee das Herz eines grenzüberschreitenden Welterbes, in dem Menschheits- und Naturgeschichte miteinander verschmelzen.

Art der Stätte:Kulturerbe (Kulturlandschaft)
Einschreibung: 2001
Kriterium: (v)
2 Staaten: Österreich und Ungarn

Das Programm am Welterbetag

Kirschblütenwanderung

Das grenzüberschreitende Welterbe Fertő-Neusiedler See feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum. Grund genug das Welterbe in der Region in den Vordergrund zu rücken.

Der Österreichische Welterbetag fällt in die Zeit der Kirschblüte im Welterbe Neusiedler See. Daher wollen wir ein paar Stunden gemeinsam durch die Weingärten am Südabfall des Leithagebirge wandern: Vom Bertoni-Eiermuseum in Winden, über das Trockenrasengebiet Tenau nach Purbach, immer vorbei an den blühenden Obstbäumen. Unterwegs gibt es Informationen zum Welterbe, zu Besonderheiten der Natur und auch zur Baukultur.

Start: 14:00 Uhr

Aufgrund der aktuellen pandemischen Situation beschränkte Teilnehmerzahl!

Hinweis: Die Wanderung findet bei Schlechtwetter nicht statt!

Burgenland in der Kirschblüte in Österreich
Kirschblüte am Neusiedlersee © Martin Horvath Photographe www.manfredhorvath.at
Vielfalt von Natur und Kultur am Steppensee
Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Eurasiens – eingebettet zwischen den östlichen Ausläufern der Alpen und dem westlichen Rand der Pannonischen Tiefebene. Mit dem Schilfgürtel und den umgebenden Uferlandschaften bildet der See eine natürliche Einheit und beeinflusst nachhaltig Klima, Fauna und Flora.

Es ist kein Zufall, dass der Neusiedler See / Fertő zu den – nicht gerade häufigen – grenzüberschreitenden Welterbestätten zählt: Bis zum Ende der habsburgischen Doppelmonarchie gehörte das Burgenland zur ungarischen Reichshälfte. Auch sprachlich, kulturell und wirtschaftlich bildet die Region bis heute eine Einheit aus Vielfalt.

Der Neusiedler See und der Seewinkel sind Naturschutzgebiet: Nicht weniger als 320 verschiedene Vogelarten sind hier heimisch. Zum Welterbe zählt der Neusiedler See / Fertő aber als eine – vom Menschen und der Natur gleichermaßen geformte – Kulturlandschaft. Hier verliefen vorgeschichtliche Handelswege (Bernsteinstraße) vor der Ankunft der Römer (Provinz Pannonia), lebten hier Kelten und Illyrer von Viehzucht und Ackerbau.
Steppensee in Mitteleuropa
Die Wasseroberfläche des Neusiedler Sees macht beinahe die Hälfte des gesamten Welterbegebietes aus. Von Nord nach Süd erstreckt er sich über eine Länge von sechsunddreißig Kilometern. Die Entfernung zwischen den Ufern beträgt an der breitesten Stelle vierzehn Kilometer und an der schmalsten drei.

Wie alle Steppenseen ist der Neusiedler See sehr seicht. Der Wasserstand hängt nicht von Zuflüssen ab, sondern von den Niederschlägen. Die dichte Schlammdecke am Boden bewirkt, dass das Wasser nicht versickert (der See ist im Lauf der Geschichte mehrfach – zuletzt zwischen 1865 bis 1871 – ausgetrocknet). Diese Besonderheiten machen den See für Umwelteinflüsse extrem empfindlich.
Enger Raum, hohe Vielfalt
Der Raum ist wirtschaftlich begünstigt: Die Böden sind fruchtbar und gut zu bearbeiten. Im Herbst sorgt der See als Wärmespeicher für überdurchschnittlich hohe Temperaturen: Die Weintrauben erreichen ein Maximum an Süße und werden zu Prädikatsweinen verarbeitet.

Die Landschaft wird – mit Wiesen, Äckern, Wein- und Obstgärten – kleinteilig und auf traditionelle Weise genutzt. Siedlungen grenzen sich darin deutlich ab, was die Vielfalt und den Reiz der Landschaft nur noch erhöh. Für das Ortsbild charakteristisch sind die Streckhöfe: Die Wohnhäuser stehen mit der Giebelseite zur Dorfstraße, die Wirtschaftsgebäude im rechten Winkel dazu. Die Nachbarhäuser begrenzen die schmalen Höfe.   Mit dem See und dem Schilfgürtel, den Hügeln und der Ebene ist der Raum Neusiedler See schon „von Natur aus“ vielfältig. Die geologischen, klimatischen und naturräumlichen Verhältnisse bedingen hohe Biodiversität.
Ort Rust am Neusiedlersee in Burgenland Österreich
Blick auf Rust am Neusiedlersee im Burgenland
Kulturraum im Gleichgewicht
Der Vielfalt in der Natur entspricht eine vielfältig geprägte Kultur. Der ungarische Landadel, allen voran die Familie Esterházy, bestimmte über Jahrhunderte die Geschichte des Raumes. Mehrsprachigkeit ist hier nach wie vor und wieder ein auffallendes Merkmal.

Die Freistadt Rust ist nicht nur wegen ihrer Bürgerhäuser und Weinhöfe architektonisch bedeutsam, sondern auch historisch: 1649 kauften sich die selbstbewussten Bürger aus der Untertänigkeit von den Habsburgern frei – mit Geld und großen Mengen ihres besten Weins.

Als Naherholungsgebiet und Feriendestination ist und bleibt der Neusiedler See hochattraktiv. Allerdings: Gerade die hohe Anziehungskraft bedroht – potenziell – die natürlichen und kulturellen Ressourcen und verlangt daher besonders sorgsamen Umgang.

Historisches Zentrum
von Wien

Ob verstecktes Bürgerhaus oder prachtvolles Palais, ob Boulevard oder versteckte Gasse – Wiens wechselvolles Stadtbild erzählt von zweitausend Jahren Geschichte als europäische Metropole.

Art der Stätte: Kulturerbe
Einschreibung: 2021
Kriterien: (ii), (iv), (vi)
Bundesland: Wien

Das Programm am Welterbetag

Podumsdiskussion (online)

am 25.03.2021, 18:00 Uhr

Seit nunmehr 20 Jahren besitzt das historische Zentrum von Wien das Prädikat „Weltkulturerbe“, Schloss Schönbrunn erhielt es bereits 1996. Das kulturelle Erbe Wiens ist Teil seiner dynamischen Gegenwart, es adäquat zu schützen hat viel mit Bewusstsein, Sensibilität und Respekt zu tun. Was heißt das nun für die urbane Weiterentwicklung einer Weltstadt wie Wien, die wirtschaftlich prosperiert und international als Kulturmetropole hochgeschätzt ist? Kann ein lebendiges Stadtgebiet wie die Innere Stadt gleich wie ein Denkmal oder „Gesamtkunstwerk“ behandelt werden, oder verlangt Urbanität nicht per se nach permanentem Wandel, Kreativität und wechselseitiger Inspiration zwischen Tradition und Moderne? Wie Bewahren, Verändern und Vielfalt in Einklang bringen und das Außergewöhnliche vergangener Perioden auch für die Zukunft erlebbar halten?

Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich die Online-Podiumsdiskussion im Presseclub Concordia am 25. März 2021, 18 Uhr. Wegen COVID-19 findet die Diskussion im digitalen Raum mit Chat-Funktion statt. Wir laden Sie herzlich ein, sich anzumelden, zu informieren und mit zu diskutieren.

Diskutant*innen:
Monika Sommer, Direktorin Haus der Geschichte Österreich
Christoph Bazil, Präsident des Bundesdenkmalamtes
Renate Bornberg, Vertretung ICOMOS Austria
Thomas Madreiter, Planungsdirektor der Stadt Wien
Cristian Abrihan, Architekt – Büro für Baukulturerbe


Moderation:
Ute Woltron, Die Presse

 

Enquete

Im Zuge des Welterbetages 2021 wird am 6.5.2021 eine Enquete zum Wiener Welterbe stattfinden. Expert*innen sowie Vertreter aus der Wiener Stadtpolitik setzen sich mit der Frage auseinander, wie eine Balance zwischen Entwicklung und Bewahren im Wiener Welterbe ermöglicht wird. Sobald nähere Details zum Ablauf bekannt sind, sind diese hier abrufbar.

Wien Innenstadt Blick von Oben
Blick auf die historische Stadtlandschaft Wiens
Monumente einer europäischen Hauptstadt
Auf weniger als vier Quadratkilometern drängen sich gotische Kirchen und Klöster, barocke Adelspaläste, moderne Geschäfts- und Bürohäuser, Straßen, Gassen und Gärten – ein einzigartiges Gesamtkunstwerk und „Schauplatz“ von Kunst, Kultur und großer Politik.

Am Stadtbild lassen sich die mächtigen historischen Entwicklungsschübe ablesen. Sie führen vom römischen Legionslager Vindobona und der mittelalterlichen Handelsstadt über die barocke Residenz der Habsburger zu einer der prächtigsten Städte des 19. Jahrhunderts.

In der Metropole Wien ballte und bündelte sich politische und wirtschaftliche Macht. Hier entfaltete sich ein reiches künstlerisches und geistiges Leben. Nirgends ist die kulturelle Anziehung und Ausstrahlung Wiens so deutlich zu bemerken wie in der Musik. Das historische Zentrum Wiens wurde im Jahr 2001 in die Liste der Welterbestätten aufgenommen. Ausschlaggebend waren Geschichte, Städtebau und Architektur, die zahlreichen Denkmäler der Kunst- und Kulturgeschichte und die überragende Bedeutung der Musik in Geschichte und Gegenwart.
Räume und Linien
In Wien treffen Großlandschaften Europas aufeinander: die Alpen, die pannonische Tiefebene und der Donauraum – zum Nutzen für Handel und Verkehr. Dazu kommt: Der Wiener Raum ist reich an Wasser, fruchtbaren Böden und Baumaterial wie Ton, Kalk, Sand und Holz.

Am Stadtplan Wiens zeichnen sich bis heute die großen historischen Linien ab: Der „Graben“ markiert die Südseite des römischen Heerlagers Vindobona. Die eng verwinkelten Gassen um den Stephansdom gehen auf die mittelalterliche Handelsstadt zurück. Die Linien kreuzen und überschneiden sich, ohne sich zu verwischen.

Im Mittelalter beginnt auch der Aufschwung. Die Babenberger machen die Stadt zu ihrer Residenz, sie stiften Klöster und errichten eine Stadtmauer. 1365 gründet der Habsburger Rudolf IV. die Universität Wien, heute die größte im deutschsprachigen Raum.
Macht und Pracht
  In der Barockzeit verwandelt sich die Stadt in eine Haupt-Stadt – mit Adelspalästen, Kirchen und Klöstern. Visionäre Planungen beziehen selbst Bauten ein, die – wie die Karlskirche oder das Schloss Belvedere – damals weit außerhalb des Zentrums liegen. Architektur, Kunst, Musik und Theater erleben eine ungeahnte Blüte.

Die „Gründerzeit“ zwischen 1870 bis 1914 bringt eine weitere – die bisher größte – Metamorphose: Die Donau wird reguliert, die Vorstädte eingemeindet und die alten Stadtmauern abgerissen. An deren Stelle entsteht ein Prachtboulevard mit Gärten, Monumentalbauten und großbürgerlichen Palais: die Ringstraße – ein einziges, riesiges Monument im Geschmack seiner Zeit. Um 1900 ist Wien fünftgrößte Stadt der Welt und – ein „Inkubationsort“ der Moderne.
Schloss Belvedere und Park
Das barocke Schloss Belvedere
Dichtes Programm
„Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt“, so Joseph Haydn zu Wolfgang Amadeus Mozart. Mozart selbst war – wie Beethoven – zum Studium der Musik nach Wien gekommen.

Wien und Musik – das ist mehr als ein Mythos: Die Habsburger waren bekannt für ihre Liebe zur Musik. Als Förderer und Auftraggeber wetteiferten Hof und Adel um Virtuosen und Komponisten. Ab dem Biedermeier durchdrang die Musik das Wiener Bürgertum – von der Hausmusik bis zum Wiener Musikverein. Größen wie Schubert, Brahms, Mahler und Schönberg konnten in diesem Milieu ihr Genie entfalten. Die „Wiener Klassik“ wurde zum Inbegriff der Kunstmusik.   Heute sind zeitgenössische und experimentelle Musik in Wien genauso zu Hause wie Jazz und Alte Musik. Das Angebot an Konzerten und Aufführungen aller Genres ist eines der hochwertigsten und dichtesten der Welt.

Semmeringeisenbahn

Als Meisterwerk der Technik vergangener Tage, zieht sie nach wie vor Passagiere und Gäste in seinen Bann, während sie sich ihren Weg durch die alpine Landschaft bahnt.

Art der Stätte: Kulturerbe
Einschreibung: 1998
Kriterien: (ii), (iv)
Bundesländer: Niederösterreich, Steiermark

Das Programm am Welterbetag

Online Vorträge mit Diskussion

18. April 2021, ab 10 Uhr

Die Sprechen sie mit dem ICOMOS Monitoring Team der Semmeringbahn über Gabe und Aufgabe der Welterbestätte Semmeringbahn. Dr. Günter Dinhobl (ICOMOS Austria) und DI Dr. Roland Tusch (BOKU Department für Raum, Landschaft und Infrastruktur) starten mit kurzen Impulsvorträgen und stehen im Anschluss zur Diskussion mit ihnen zur Verfügung.

Roland Tusch „An der Bahn. Überblick zur Semmeringbahnarchitektur der Begleitgebäude“
Günter Dinhobl „22 Jahre UNESCO Welterbe Semmeringeisenbahn“

Welterbe-Challenge für Kinder und Familien

Samstag, 18. April 2021, 14 Uhr

Wir sind Welterbe – und sehr stolz darauf! Aber was bedeutet das? Und warum überhaupt? All das und noch mehr gilt es zu beantworten bei unserer Welterbe-Challenge. Für alle von 10 bis 99+

Hop-on/Hop-off Bus entlang des Welterbes

Zwei Busse verkehren im Stundentakt zwischen Mürzzuschlag und Gloggnitz und machen so die wichtigsten Stationen des Welterbes Semmeringeisenbahn erlebbar. Gäste können nicht nur beliebig an den insgesamt acht Stationen ein- und aussteigen, sondern im Rahmen spezieller Programme und Führungen vor Ort tief in das Welterbe eintauchen.

Route:

Mürzzuschlag (Südbahn Museum) – Bahnhof Semmering – Wolfsbergkogel – Adlitzgraben – Orthof – Edlach – Reichenau – Payerbach – Gloggnitz – Maria Schutz – Mürzzuschlag

 

Programm an den Stationen:

    • Südbahn Museum (Mürzzuschlag): Spezialführungen und Infopoint

 

    • 20-Schilling-Blick: Spaziergang zur schönsten Aussicht auf die Bahn

 

    • Viadukt Alte Rinne: Besuch des Ghega-Museums und kurze Wanderung zum Arbeitsstollen

 

    • Schloss Reichenau: Besuch der Ausstellung „Kulturerbe Reichenau – Vom traditionellen Bergbauort zum internationalen Kur und Festspielort“

 

    • Payerbach: Besuch des Vinodukts mit Weinverkostung

 

    • Gloggnitz: Infobox mit Infos über den Bau des Semmering Basistunnels

 

  • Maria Schutz: Besuch der Wallfahrtskirche mit Bründlwasser und Spaziergang zur neuen Lourdes Grotte.
Semmering Blick auf Semmeringbahn und Gebirge in Österreich
20 Schilling Blick © Michael Liebert
Überwindung der Alpen mit Eisen und Dampf

Von den Zeitgenossen wurde der Bau der Semmeringbahn als ein gewaltiger Triumph über die Natur gefeiert, eine Leistung von übermenschlicher Dimension, vergleichbar höchstens mit den Taten antiker Helden.

Die Planung und Ausführung des Vorhabens dürfen auch nach heutigen Maßstäben als Meisterleistung gelten: In weniger als fünf Jahren Bauzeit war es gelungen, dem Güterverkehr in schwierigstem Gelände buchstäblich einen Weg durch die Natur zu bahnen. In die Lösung aller technischen Probleme war von Anfang an auch die Gestaltung der Landschaft einbezogen. Wie sich hier Technik und Ästhetik – das Nützliche und das Schöne – begegnen, machte die Semmeringbahn zum Vorbild für Projekte in der ganzen Welt.

Die Bahn machte den Semmering schließlich auch zu einem kulturellen Arkadien – mondän oder eher rustikal, fern vom Alltag, aber aus Wien mit der Bahn bequem erreichbar. Hier wurde geschrieben, komponiert, musiziert und gespielt oder einfach nur gelebt und geliebt: Fin-de-siècle in der Natur.

Wien – Triest

Triest war der bedeutendste Handelshafen Österreichs und einer der wichtigsten im ganzen Mittelmeerraum. Eine Verbindung Wien–Triest hatte beim Aufbau des Eisenbahnnetzes höchste Priorität.

In den 1840er Jahren war die Strecke bis Laibach (Ljubljana) durchgehend ausgebaut – bis auf das kurze Stück über den Semmering: Hier mussten die Güter auf beiden Seiten umgeladen und weiterhin mit Fuhrwerken transportiert werden. Eine Lösung schien – wenn überhaupt möglich – sehr weit entfernt.

Carl von Ghega (Venedig 1802, Wien 1860), seit 1842 Gesamtplanungsleiter der südlichen Staatseisenbahn, präsentierte 1844 nach einer fünfmonatigen Studienreise in Amerika einen sensationellen Vorschlag. Die Öffentlichkeit und die Fachwelt reagierten zuerst skeptisch, danach begeistert.

Einmal Alpen und zurück

Die Orte Gloggnitz und Mürzzuschlag sind nur 21 Kilometer voneinander entfernt. Aber: Dazwischen liegen Berge und Täler und bis zum Semmeringpass beträgt der Höhenunterschied insgesamt etwa 450 Meter.

Das Projekt hatte viel von einem riskanten Realexperiment: Es gab keine Vorbilder; die Vermessung verlangte neue Instrumente und Techniken; eine Lokomotive, die das starke Gefälle überwinden und die engen Kurvenradien bewältigen würde, war noch gar nicht gebaut.

Der Bau war eine extreme Herausforderung: technisch, logistisch, wirtschaftlich. Es ging um nicht weniger als die Überquerung der Alpen. Ghega löste die Aufgabe mit einer Streckenlänge von 41 Kilometern – entlang steiler Berghänge mit 14 Tunneln, 16 Viadukten und über 100 Brücken und Durchlässen.

Panorama eines Eisenbahnabschnittes der Semmeringbahn, Semmering in Österreich
Eisenbahn-Viadukt - Semmering Bahn "Kalte Rinne"
Natur als Kulisse

Die Semmeringbahn galt von Beginn an als eine Art Kunstwerk. Ganz bewusst hatte ihr Erbauer die Viadukte im Stil römischer Aquädukte mauern lassen. 1854 publizierte er höchstpersönlich einen Malerischen Atlas der Eisenbahn über den Semmering.

Den Reisenden verschaffte die Bahn eine völlig neue Erfahrung von Landschaft – die Fahrt wurde zum ästhetischen Erlebnis. Beim Blick aus dem Zugfenster entrollt sich ein Panorama wie auf einer Bühne. Dass es immer wieder von schwarzen Tunnels unterbrochen wird, schmälert den Genuss keineswegs, ganz im Gegenteil.

Ursprünglich sollte die Semmeringbahn nur dem Gütertransport dienen. Dass dem Wiener Bürgertum damit ein „Kulturraum“ samt Villen und Grandhotels erschlossen wurde, erwies sich schnell als ein höchst willkommener Nebeneffekt.

Prähistorische Pfahlbauten
um die Alpen

Vor allzu neugierigen Blicken unter Wasser verborgen, schlummern einzigartige archäologische Zeugen von unschätzbarem Wert und erzählen eine Geschichte aus der Frühzeit der Menschheit.

Art der Stätte: Kulturerbe
Einschreibung: 2011
Kriterien: (iv), (v)
5 Staaten (insgesamt 111 archäologische Fundstätten)
Bundesländer: Oberösterreich und Kärnten (5 Fundstätten)

Das Programm am Welterbetag

Online Veranstaltung
Pfahlbau-TV – Die Menschen hinter dem Welterbe

Unter dem Motto „Die Menschen hinter dem Welterbe“ stellt das Pfahlbau-TV das UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen vor. In Livevorträgen, Kurzfilmen und Videobotschaften kommen die vielen verschiedenen Beteiligten aus Forschung, Management, Vereinen, Museen, Gemeinden und vielen anderen Bereichen zu Wort, die sich mit den urgeschichtlichen Pfahlbau-Fundstätten beschäftigen. Ihre Leidenschaft und Engagement sind es, was das Welterbe ausmacht und es in die Zukunft trägt.

Gesendet wird am Nachmittag des 1. Österreichischen Welterbetages über mehrere Kanäle im Internet. Im Pfahlbau-TV werden auf möglichst vielfältige Art persönliche Perspektiven zum Welterbe und viele Fragen zu den Pfahlbauten beantworten. Über einen Online-Chat können die Zuseher*innen in direkten Kontakt treten um auch ihre eigenen Fragen an die Vortragenden im Studio stellen zu können.
Pfahlbauten in Österreich
Unter Wasser haben sind noch manchmal Reste der
urgeschichtlichen Dörfer sichtbar
Versunkene Zeugen der menschlichen Siedlungsgeschichte
Die versunkenen Seeufersiedlungen sind wissenschaftlich und kulturhistorisch von unschätzbarem Wert, aber den Blicken „normaler“ Besucher*innen weitgehend entzogen. Was sind Pfahlbauten eigentlich?

Pfahlbauten sind Siedlungen über dem Wasser, in Ufernähe oder auf sumpfigem Gelände. Wegen der Nähe zum Wasser standen die Häuser oft abgehoben auf Stelzen oder Holzbalken. Inzwischen zählt man über 1000 Fundstellen, die meisten davon in der Schweiz, gefolgt von Deutschland und Italien.

Nach dem Abschmelzen der Gletscher wanderten die ersten Menschen in das Alpenvorland ein. Um 5000 v. Chr. begannen sie, auch die Seeufer zu besiedeln. Dafür gab es gute Gründe: fruchtbare Böden, zusätzliche Nahrung, Schutz vor Angriffen und – über das Wasser waren selbst entfernte Gegenden gut zu erreichen.

111 Orte in Italien, Frankreich, Österreich, Deutschland, Slowenien und der Schweiz bilden seit dem Jahr 2011 das Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. In Europa sind so viele Reste davon erhalten geblieben, dass sich weitreichende Erkenntnisse über die Lebensweise der ursprünglichen Bewohner gewinnen lassen.
Unsichtbare Fülle
Pfahlbauten bieten unvergleichliche Einblicke in eines der wichtigsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Vor allem organische Materialien, die anderswo unwiederbringlich verloren sind, haben sich hier – im Wasser „eingelegt“ oder luftdicht im Moor „verpackt“ – erhalten. Vielfach lagern an ein und demselben Ort die Reste mehrerer Siedlungen übereinander, sodass sich ganze „Kulturschichten“ unterscheiden und untersuchen lassen.

Über eine Fülle von Funden – Baumaterial, Nahrungsmittel (roh und verdaut!), Gegenstände des täglichen Gebrauches aus Holz, Bast, Rinde, Pflanzenfasern, Stroh, Tierhäuten oder Haaren – kann die Forschung das alltägliche Leben, die Wirtschaftsweise oder Kontakte zu anderen Kulturen rekonstruieren. Die Analyse von Ablagerungen und pflanzlichen Stoffen erlaubt inzwischen sogar Rückschlüsse auf die klimatischen Bedingungen.
Ballungsräume
Die Zahl der Seeufersiedlungen in Österreich lässt sich nicht einmal schätzen. Einige sind vermutlich noch unentdeckt, andere für immer verschwunden. Als wissenschaftlich gesichert gelten derzeit 27 Fundstellen. Die meisten davon gehören zu der Mondseekultur des 4. Jahrtausends v. Chr. Die jüngsten waren beinahe bis in historische Zeiten – etwa 500 v. Chr. – bewohnt. Am dichtesten besiedelt war wohl das Westufer des Attersees.

Ein weiteres interessantes Detail: Die Pfahlbauten im Kärntner Keutschacher See liegen nicht am Ufer, sondern an seichten Stellen in der Seemitte. Sie wurden von Ferdinand von Hochstetter, dem ersten Leiter des Naturhistorischen Museums Wien, im Jahr 1864 entdeckt. In der Schausammlung des Museums sind daher auch wichtige Funde zu sehen.
Unterwasser Taucher überprüft das Welterbe Pfahlbauten in Österreich
Forschungstaucher*innen kontrollieren regelmäßig
den Zustand des UNESCO-Welterbes
Laboratorien unter Wasser
Die Pioniere der Forschung gingen davon aus, dass sich die Pfahlbauten auf dem Wasser befunden hatten: Das romantische Bild von wehrhaften und unabhängigen Dörfern auf Stelzen war einfach zu verlockend. Später setzte sich die Meinung durch, dass die Siedlungen ursprünglich am Ufer gebaut und später überflutet worden waren. Inzwischen gilt beides als möglich und wahrscheinlich.

Heute sind die Fundstätten zu wissenschaftlichen Laboratorien geworden. Unterschiedliche Disziplinen wie Archäologie, Biologie, Ökologie, Klimatologie, Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte kooperieren in länderübergreifenden Projekten. Dabei kommen die Ideen des Welterbes und die Ziele der UNESCO, nämlich die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Kultur, besonders stark zur Geltung.